Mein beruflicher Weg und meine Haltung

„Ich weiß nicht, ob es besser wird, wenn es sich ändert. Aber vielleicht muss es anders werden, wenn es besser werden soll.“

Dieser Gedanke begleitet mich seit vielen Jahren – persönlich wie beruflich.

Nachhaltige Veränderung entsteht für mich selten dadurch, dass wir ausschließlich Symptome oder einzelne Verhaltensweisen betrachten. Sie beginnt dort, wo wir versuchen, Zusammenhänge zu verstehen, neue Perspektiven einzunehmen und daraus andere Wege zu entwickeln.

Schon früh haben mich Menschen interessiert, die am Rande der Gesellschaft stehen – insbesondere jene, über die häufig geurteilt wird, bevor ihre Geschichte überhaupt gehört wurde. Dabei interessiert mich nie allein eine Tat oder ein problematisches Verhalten, sondern immer auch der Mensch dahinter: seine Biografie, seine Persönlichkeit, seine Entwicklung und vor allem die Frage, wie Verhalten entstanden ist und unter welchen Bedingungen Veränderung möglich wird.

Nach meinem Bachelorstudium der Sozialen Arbeit wollte ich diese Zusammenhänge aus unterschiedlichen fachlichen Perspektiven noch besser verstehen. Es folgten ein Masterstudium der Kriminologie, ein Bachelorstudium der Psychologie und schließlich das Masterstudium der Rechtspsychologie.

Parallel dazu entwickelte sich mein therapeutischer Schwerpunkt weiter. Neben meiner Ausbildung zur Systemischen Therapeutin (DGSF) und meiner kriminaltherapeutischen Qualifikation (KrimTP) habe ich mich in verschiedenen spezialisierten therapeutischen Ansätzen weitergebildet, darunter im ASAT® (Anti-Sexuelles-Aggressivitäts-Training), in der Bindungsbasierten Therapie (BBT) sowie in der Narrativen Expositionstherapie (NET).

Ein weiterer Schwerpunkt meiner Qualifikation liegt im Bereich der forensischen Prognostik und Risikoeinschätzung. Hierzu habe ich verschiedene Prognoseschulungen und Fortbildungen zur strukturierten Einschätzung von Rückfallrisiken, relevanten Risiko- und Schutzfaktoren sowie zur Beurteilung individueller Risikokonstellationen absolviert. Dieses Wissen fließt insbesondere in die deliktorientierte Arbeit, die Therapieplanung und die Entwicklung geeigneter Maßnahmen zur Rückfallprävention ein.

Mit der Zeit wurde mir immer deutlicher, dass ich Menschen so begleiten möchte, wie es meiner therapeutischen Haltung entspricht: individuell, wissenschaftlich fundiert und mit der notwendigen Zeit und Offenheit für die Komplexität ihrer Geschichte. Der Schritt in die Selbstständigkeit war deshalb die konsequente Weiterentwicklung meines beruflichen Weges. Sie gibt mir die Möglichkeit, therapeutische Prozesse nicht in starre Strukturen zu pressen, sondern gemeinsam mit jedem Menschen zu schauen, was er tatsächlich braucht.

Aktuell erweitere ich meine therapeutische Qualifikation durch zwei weitere umfassende, jeweils zweijährige Ausbildungen im Bereich Sexualtherapie und Traumatherapie. Sie ergänzen meine bisherige Arbeit insbesondere dort, wo Sexualität, biografische Erfahrungen, Beziehungsmuster, Trauma und problematisches oder delinquentes Verhalten ineinandergreifen.

Porträt von Franziska Mathäus

Qualifikationen

Vier Studienabschlüsse, die Ausbildung zur Systemischen Therapeutin (DGSF), die kriminaltherapeutische Qualifikation sowie Weiterbildungen in ASAT®, Bindungsbasierter Therapie und forensischer Prognostik. Die vollständige Liste mit meinen beruflichen Stationen finden Sie auf einer eigenen Seite.

Eine Glaskugel auf einem Stück Treibholz; in ihrem Inneren erscheinen Baumreihe und Sonnenuntergang seitenverkehrt
„Jenseits von richtig und falsch liegt ein Ort. Dort treffen wir uns.“
Über die Therapie

Verstehen heißt nicht entschuldigen

Ich begegne Ihnen als Mensch – unabhängig davon, welche Geschichte Sie mitbringen. Das bedeutet nicht, Verantwortung auszublenden oder problematisches Verhalten zu relativieren. Es bedeutet, einen Raum zu schaffen, in dem wir offen verstehen können, wie Verhalten entstanden ist, was es aufrechterhält und was notwendig ist, um es nachhaltig zu verändern.

Kriminaltherapie

Die kriminaltherapeutische Arbeit beschäftigt sich mit den individuellen Bedingungen, die zur Entstehung und Aufrechterhaltung delinquenten Verhaltens beigetragen haben. Ziel ist es, relevante Risikofaktoren zu erkennen, gezielt zu verändern und zukünftige Straftaten dauerhaft zu vermeiden – orientiert am international etablierten Risk-Need-Responsivity-Modell nach Andrews & Bonta.

Systemische Therapie

Der Blick geht nicht ausschließlich auf Probleme, sondern ebenso auf Ihre Ressourcen, Fähigkeiten und Entwicklungsmöglichkeiten. Gemeinsam betrachten wir die Zusammenhänge, die Ihr Leben und Verhalten geprägt haben – Familie, Beziehungen, Beruf, biografische Erfahrungen – und welche Funktion bestimmte Denk- und Verhaltensmuster einmal erfüllt haben.

ASAT®

Ein modular aufgebautes, rückfallpräventives Trainingsprogramm für Menschen mit sexualbezogenen Delikten. Im Mittelpunkt stehen die Reduktion dynamischer Risikofaktoren, der Aufbau individueller Schutzfaktoren, die Förderung von Verantwortungsübernahme sowie die Entwicklung langfristig tragfähiger Verhaltensalternativen.

Gemeinsam entwickeln wir Ihren Weg

Therapie bedeutet nicht, Ihnen Lösungen vorzugeben

Wir entwickeln sie gemeinsam. Abhängig von Ihrer individuellen Situation können unterschiedliche Themen im Mittelpunkt stehen:

  • persönliche Ziele und Veränderungswünsche entwickeln
  • Ursachen und Funktionen des eigenen Verhaltens verstehen
  • individuelle Risiko- und Schutzfaktoren erkennen
  • alternative und straffreie Handlungsmöglichkeiten entwickeln
  • hinter problematischem Verhalten liegende Bedürfnisse angemessen erfüllen
  • Selbstkontrolle und Selbststeuerung stärken
  • ein wirksames persönliches Risikomanagement entwickeln
Jede Therapie ist individuell

Kein Mensch gleicht dem anderen

Deshalb gleicht auch keine Behandlung der anderen. Mein therapeutisches Verständnis: Jeder Mensch ist zunächst Mensch. Jeder Mensch trägt Stärken und Schwächen in sich.

Menschen machen Fehler und treffen Entscheidungen, die mitunter schwerwiegende Folgen für andere und für ihr eigenes Leben haben. Dennoch bin ich überzeugt, dass Verantwortung und ein respektvoller Umgang miteinander keine Gegensätze sind.

Gerade Themen, die mit großer Scham, Angst vor Verurteilung oder gesellschaftlicher Stigmatisierung verbunden sind, werden häufig über Jahre verschwiegen. Therapie kann einen Raum schaffen, in dem auch darüber offen gesprochen werden kann. Denn erst wenn wir über etwas sprechen können, können wir beginnen, es zu verstehen und zu verändern.

Mein Ziel ist deshalb nicht nur, Rückfälle zu verhindern. Mein Ziel ist es, gemeinsam mit Ihnen ein Leben zu entwickeln, für das es sich lohnt, alte Wege zu verlassen.

Emma, ein Mops, sitzt aufmerksam auf dem Boden

Und natürlich gehört noch jemand zu meiner Praxis …

Emma ist ein ausgebildeter Therapiemops und begleitet mich stets. Sie begegnet Menschen unvoreingenommen: Für sie spielt es keine Rolle, weshalb jemand in meine Praxis kommt oder welche Geschichte er mitbringt. Sie bewertet nicht, stellt keine Fragen und erwartet nichts. Oft genügt ihre ruhige Anwesenheit, um Anspannung zu reduzieren und den Einstieg in schwierige Gespräche zu erleichtern. Denn manchmal entstehen die wichtigsten Gespräche genau dann, wenn sich ein kleiner Mops leise zu Ihren Füßen zusammenrollt.

Möchten Sie mich kennenlernen?

Ein kurzes Vorgespräch klärt in etwa 15 Minuten, ob ich die passende Ansprechpartnerin für Sie bin – ohne jede Verpflichtung.